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Die Chance der zweiten Wahl

Bild zu Baltscheit

Martin Baltscheit, Christine Schwarz: Ich bin für mich

In Österreich hatten wir im letzten Jahr die Chance einer zweiten Wahl. Die Britinnen und Briten haben diese Chance nicht, obwohl viele von ihnen gerne das Rad zurückdrehen und zur Wahl gehen möchten, um den Austritt aus der EU doch noch zu verhindern.

Kein Löwe in Sicht – wie im Buch von Martin Baltscheit und Christine Schwarz „Ich bin für mich“ –, der „Neuwahlen“ brüllt, und kein Kandidat, der zum Zug kommt, weil er still und weise das Beste für alle will.

Wenn Demokratie nur immer so einfach wäre. Andererseits gut, dass Demokratie nicht immer so einfach ist. So bleibt sie lebendig. Und wir mit ihr.

Wir sollten dies bedenken, wenn wir wieder aus dem Mund eines Politikers hören, dass „die Zeit der Wahlen die Zeit der kollektiven Unintelligenz“ wäre, oder wenn ein anderer Politiker sich freut, wenn „die Zeit des kollektiven Unfugs“, sprich die Wahlen, vorbei sind. Beides sind Zitate bekannter österreichischer Politiker aus den beiden bisherigen Regierungsparteien aus den letzten Monaten.

Wir sollten dies auch bedenken, wenn wir unsere persönliche Wahlentscheidung treffen. Sollen wir aus dem Bauch heraus wählen, weil wir uns z. B. wie eine Wiener Bezirkspolitikerin aus einen ganz anderen Bezirk über die Fußgängerzone in der Mariahilferstraße ärgern und dafür eine bestimmte Partei und deren Kandidaten für das Präsidentenamt abstrafen möchten? Inzwischen sind übrigens alle Beteiligten von der Fußgängerzone sehr angetan, ebenso war es vor vielen Jahren mit der damals neu errichteten Fußgängerzone in Meidling.

Oder sollen wir lieber darüber nachdenken, wie die Mutter, deren schwerkranke Tochter Pflegegeld erhält, dieses aber von der Mindestsicherung der Mutter abgezogen wird, wieder zu ihrem berechtigten Anspruch kommt? Oder wer dafür Sorge tragen kann, dass es ausreichend Angebote zur Resozialisierung von resozialisierungswilligen und aussichtsreichen Straftäterinnen und Straftätern gibt? Oder wie der Musikunterricht in den Schulen finanziert werden kann? Oder wer weiter an ein Europa der gemeinsamen Chancen glaubt und nicht nur an ein Europa des Geldes, oder daran, dass uns Europa egal sein könnte.

Vervollständigen Sie bitte Ihre persönliche Liste. Sie haben die Wahl. Im Oktober.

Zu Martin Baltscheit, Christine Schwarz: Ich bin für mich. Beltz & Gelberg, Weinheim 2011. Alle Rechte beim Verlag.

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